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5 - April 1978 .... aus der Gablitzer Chronik

Vom Leibeigenen zum Unternehmer
Zur wirtschaftlichen Entwicklung unserer Gemeinde

In einer Zeit der problematisch werdenden Wirtschaftsentwicklung ist es interessant, einen Blick auf das Werden einer
Gemeinde - wie Gablitz - zu lenken. Gablitz ist bis heute nicht der Typ einer Gemeinde mit industriellen Teilbereichen.
Weit entfernt davon. Was bei uns Wirtschaft heißt, besteht hauptsächlich aus Fremdenverkehr, Handwerks- und
Gewerbebetrieben, einer kleinen Schuhfabrik und einigen Transportunternehmen.

Das Gablitztal, welches im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, war im wesentlichen Besitz einer immer
wieder wechselnden Grundherrschaft. Die wenigen waldfreien Flächen entlang der alten Reichspoststraße waren spärlich
von einigen Bauern bewirtschaftet. Die einstmals riesigen Wälder waren gerade bei uns als bevorzugte Jagdgebiete
ausersehen. Die Bauern, die wenigen Handwerker und alles Gesinde waren Leibeigenen. Sie wurden mitsamt der
Grundherrschaft gekauft und verkauft. Zeitweise hatte Köhler im Wald ihre Meiler und ein paar Holzfällerfamilien hier ihr
Auskommen. Jahrhunderte hindurch änderte sich daran fast nichts.

Einige Gasthöfe entstanden an der Straße Wien - Linz für die durchziehenden Reisenden. Hin und wieder ließen sich
fahrende Handwerksburschen nieder. So entstand das kleine Dorf Gablitz (Gablic, Gäpplitz, Gaplitz). Die beiden
Türkenkriege löschten jedes Mal fast das gesamte Leben aus. Angeworbene Jungbauern aus den westlichen Teilen des
Habsburgerreiches, Schmiede, Wagner und andere Handwerker siedelten sich wieder an.

Doch dann - die Heere Napoleons waren geschlagen, die Wiener Stadtmauern wurden abgerissen - Wien dehnte sich aus.
Der bisherige Landadel erbaute in Wien Fabriken, die Industrialisierung begann, und ein schnell begütert werdendes
Wiener Bürgertum veränderte im großen Stil seine Lebensgewohnheiten. Man fuhr mit den Kaleschen aufs Land und
beliebte dort den Sommer über mit der Familie zu wohnen. Die Sommerfrische wurde begehrt, und das Wiener Bürgertum
mit einem gewissen kulturellen Rahmen begann Gablitz mitzuprägen. Zur gleichen Zeit, als in Wien große Mengen
Baustoffe gebraucht wurden, wurden im Gablitztal Steinbrüche angelegt. Angeblich wurden hier neben den aus dem
slawischen Raume angeworbenen Steinbrucharbeitern auch Kettensträflinge eingesetzt. Erst das Kriegsjahr 1914 brachte
hier das Ende.

Laut Volkszählung vom Dezember 1900 gab es im Orte bereits folgende "Geschäfts- und Gewerbsleute": Amerikanischer
Luftschaukelbesitzer, Anstreicher, Badhausbesitzer, Bäckermeister, Bildhauer, Eishändler, Feigenkaffeerösterei,
Fleischhauer, Fleischausschrotter, Fragner, Gärtner, Glasermeister, Gemischtwarenhändler, Goldstickerin,
Grünwarenhändler, Gemeindearzt, Hebammer, Kaufmann, Landkrämerei, Maurermeister, Milchhändler, Raseur,
Rauchfangkehrer, Schmied, Schneidermeister, Schießstättenbesitzer, Schuhmacher, Spengler, Steinmetz, Tischler- und
Wagnermeister, Stellfuhrinhaber, Schotterbruchbesitzer, Trafikanten, Wäschefeinputzer, Wirte und Restaurateure,
Ziegelwerke, Zimmermeister und Zuckerbäcker.

Die nun kommende Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war gekennzeichnet von wirtschaftlicher Not und politischen
Spannungen. Die Arbeitslosigkeit stieg. Kleinere Betriebe mussten schließen und so mancher Gablitzer, durch die Not
gezwungen, ging z.B. in den Wald, baute, wie vor Jahrhunderten, einen Kohlenmeiler und erzeugte Holzkohle.

1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, gab es wieder Arbeit, und die Teilregulierung des
Gablitzbaches wurde in Angriff genommen. Der folgende Krieg veränderte vieles.

Ab 1945 wurde mit den ersten größeren Parzellierungen begonnen. Baugründe waren damals vergleichsweise billig und der
Bau eines Hauses noch eine Lebensnotwendigkeit. Bundeskanzler Raab stellte in einer Rede in Purkersdorf fest: "Mit der
Not der Nachkriegszeit sind wir fertig geworden, ob wir den Frieden und Wohlstand meistern werden, das ist mehr als
fraglich."

Die Lieblichkeit von Gablitz, unser eigentlicher Reichtum, hat stark gelitten. Es wurde weggerissen, eingeebnet und
begradigt. Alleen wurden geschlägert, jahrhundertealte, zum Teil naturgeschützte, herrliche Eichen, Linden und
Nussbäume blieben nicht verschont. Jedes Jahr wird unter anderen Gesichtspunkten weiter der Baumbestand dezimiert.
Wem zum Wohl?

Die Grundlage unserer heutigen Wirtschaft in Gablitz ist der Fremdenverkehr. Daraus ergeben sich zwangsläufig
Schlussfolgerungen, die sowohl die gestaltenden Gewerbetreibenden als auch jeden einzelnen im Orte betreffen: das
einladende Ortsbild wirbt nicht nur den erholungssuchenden Urlaubsgast, sondern schenkt auch dem ansässigen
Gablitzer das Gefühl der Heimatverbundenheit. Zerstören wir es deshalb nicht leichtfertig! Immer weiter wachsende
formlose Siedlungen sind öde, wenn die Freude an einer freien, natürlichen Umwelt fehlt. Aber auch Mistgstätten können
Parkanlagen nicht ersetzen.

Wirtschaft, vernünftigen Wohlstand und Arbeit wollen wir alle. Doch bedenken wir, ob nicht für unrichtige Entscheidungen
in wenigen Jahren ein zu hoher Preis zu bezahlen ist.
Link zu Informationen über den Troppberg:
http://www.purkersdorf-online.at/http/verschoenerung/tropp.php

Der letzte Kohlenbrenner von Gablitz war Johann Schober.
Die Holzkohle, Marke "Troppberg", wurde in den Jahren 1933 - 1936 eben dort erzeugt.
Troppbergwarte 1920