Gablitzer Klänge
Text zur CD Nr.1 verfasst von Franz Vormaurer - 27.1.2010

Die erste CD einer beginnenden Reihe mit dem Titel GABLITZER KLÄNGE soll darauf hinweisen, dass Gablitz auch bei
musikalischen Werken ein eigenes Kulturerbe in Form von Kompositionen besitzt, die direkten oder indirekten Bezug auf
den schönen Ort im Wienerwald haben.

Beim Rückblick in die Ortsgeschichte kann festgestellt werden, dass das Musikerbe in die noch viel größere
Kulturgeschichte von Gablitz gleichsam eingebettet ist. Damit sollen Sie hier ausschnittsweise vertraut gemacht werden. Es
wäre unmöglich alle Ereignisse der mehr als 800jährigen Geschichte hier unterzubringen, das wird durch die Fortsetzung
dieser CD-Reihe geschehen.

Wir können bereits im Jahr 1120 anfangen, als der Wienerwald das Jagdgebiet der Babenbergerherzöge und später der
Habsburger wurde. Jagdhörner durchschallten ab nun das dichte Waldgebiet des Gablitztales.

Vor 500 Jahren kündigten die Postillione mit den Posthörnern die Einfahrt in die Dörfer, so auch nach Gablitz und damit ihr
Kommen an.

400 Jahre später folgten bereits die Hupkonzerte des beginnenden Automobilzeitalters und das "Trari Trara" der
ausfahrenden Gablitzer Feuerwehr.

Allsonntäglich spielten Kapellen der k.u.k. Militärmusiker auf der Hochramalpe, im alten Brauhaus und beim Stadlmaier und
brachten so Schwung und Lebensfreude für die Sommerfrischler und Ausflügler aus Wien.

Die eigentliche Gablitzer Kulturgeschichte begann so richtig erst in der Biedermeierzeit, damals, als der Wienerwald zum
wichtigsten Erholungsgebiet der Wiener wurde. Das hing auch mit dem Bau der Wiener Ringstraße zusammen, ja, als
wohlhabend gewordene Wiener Bürger im nahen Wienerwald Villen und Landhäuser errichten ließen und dort auch am
Wochenende und den Sommer über wohnten.

So wurde 1874 der Gablitzer Verschönerungsverein, später der Sängergauverband Wienerwald und 1892 der Gesangsverein
Gablitzer Männerchor gegründet.

Die Wiener Millionärsfamilie Lefnär veranstaltete Gartenkonzerte in der Parkanlage der Gablitzer Ortsmitte mit damals
prominenten, bekannten Musikern und Künstlern aus Wien. So zum Beispiel Karl Michael Ziehrer, Edmund Eysler,
Alexander Girardi und vielen mehr. Dazu waren auch Offiziere der k.u.k. Armee eingeladen, wenn diese in der Gegend
Manöver abhielten.

Vom Gablitzer Verschönerungsverein wiederum wurden in Wiener Großhotels und Etablissements größere Konzerte
veranstaltet, deren finanzieller Reinertrag stets in feierlicher Form der Bedürftigen Gablitzer Gemeindekassa übergeben
wurde.

Diese Zeit prägte Heinrich Lefnär junior als Komponist und Dirigent mit vielen Kompositionen. So wurden dem Ort Gablitz
immer wieder Lieder und Geschichten, Gedichte und Melodien im Zusammenhang mit der Bekanntheit von Hochramalpe,
Brauhaus und Troppberg gewidmet.

Der erste Weltkrieg unterbrach auch hier das Kulturleben.

1920 war es der 1. Gablitzer Musikverein, der ab nun neuen Schwung in das musikalische Dorfleben brachte. So auch der
Theaterverein Harmonie und eine weiterhin steigende Zahl von Kulturvereinen. Im Besonderen der mitgliedstarke Kirchenchor
mit Chorleiter Ferdinand Ramler.

So wie auch in früheren Zeiten waren es auf der alten Linzer Reichsstraße, der heutigen B1 dahin ziehende Straßensänger,
die in den Höfen der Häuser für ein paar Münzen oder eine milde Gabe ihre Melodien und Lieder zum Besten gaben.

Auch der zweite Weltkrieg drückte natürlich auf das Gablitzer Kulturleben. Es war Frau Elisabeth Jahnel, die sich des
Musiklebens angenommen hatte und für die verwundeten Soldaten im Gablitzer Reservelazarett Klavierdarbietungen
organisierte. Man höre und staune: Die berühmte Marika Rökk zeigte im Kinosaal des Gasthauses Stadlmaier vor den
Soldaten nicht nur ihre schönen Beine sondern unterhielt sie auch mit ihren Tanz- und Sangeskünsten!

Bald nach dem Krieg war es vor allem wieder Anna Götz, die mit den ersten von der Gefangenschaft heimkehrenden
Soldaten das Feuer des Gablitzer Kulturlebens neu entfachte. 1947 wurde ein Theaterverein im Gasthaus Rydl gegründet
und im selben Jahr auch der Arbeitersängerbund Stahlklang. Weitere Vereinsgründungen folgten bald nach.

Seit 1912 wirkte der 1931 verstorbene Lehrer und heute noch international anerkannte Philosoph Ferdinand Ebner als
Volksschuldirektor in Gablitz. Im Jahre 1950 gedachte man seiner in einer Feier.

In den 50er und 60er Jahren waren es zwei Kapellmeister, die immer wieder mit musikalischen Neuschöpfungen als
Komponisten hervortraten: Erwin Wanzenböck und Karl Hiesberger, mit Unterhaltungsmelodien und Widmungswerken in
Gablitz.

1972 begann der aus Wien zugezogene Franz Vormaurer aus privatem Interesse sich um die nicht vorhandene
Ortsgeschichte zu kümmern und auf diese Weise konnte er eine umfangreiche Sammlung an Geschichtsdaten,
Dokumenten und heimatkundlichen Museumsstücken zusammentragen. Ab 1986 übernahm es der 2009 verstorbene
Berthold Weiss, diese Sammlungen durch ein Heimatmuseum und ein historisches Gemeindearchiv eine Form zu geben
und schuf damit eine tragfähige Grundlage zur Gablitzer Gemeindekultur. Ein Feuerwehrmuseum wurde von Peter Kraushofer
eingerichtet, das dieser bis heute leitet.

Im Jahr 1979 sind zwei weitere "Neugablitzer" als wahre Kulturmotoren in das schöpferische Dorfgeschehen getreten: Ernst
Rest und Ronald Giczy. Mit ihrem Idealismus und ihren begeisternden Ideen entwickelte sich die zweite große Kulturepoche
und mit ihr ein eigener Kulturstil, den Gablitz bis dahin nicht erlebt hatte.

Grundlage dazu war die Gründung des Gablitzer Kulturkreises. Mit den beiden zusammen wirkten nicht nur eine große Zahl
an sehr begeisterten und befähigten Gablitzerinnen und Gablitzern auch Kulturschaffende aus der nahen Umgebung und aus
Wien mit. Vor allem Künstler vom Wiener Burgtheater, Josefstadt, Film, Rundfunk und Fernsehen. Kulturnabel des
westlichen Wienerwaldes war ein Attribut, dass die Presse der Wienerwaldgemeinde verliehen hat. Unvergessen in diesem
Zusammenhang die acht so genannten Gablitzer Shows als lehrreiche und unterhaltende Theateraufführung mit Musik. Dazu
das Gablitzer literarisch-musikalische Frühstücksbuffet mit stets ausverkauften 63 Folgen.

Einen weiteren Meilenstein für den Gablitzer Kulturkreis stellte das Internationale Ferdinand Ebner Symposium im November
1981 dar.

Ab 1992 etablierte sich das NÖ Bildungs- und Heimatwerk in der Gablitzer Volksschule, das ab 1991 ein örtliches
Bildungswerk dieser Institution wurde und 1995 (von Otto Novacek als zuständigem geschäftsführenden Kulturgemeinderat)
in den Wortlaut "GAB" umbenannt wurde. Es wird von höchsten Stellen als NÖ Bildungswerk mit dem umfangreichsten
Fortbildungsangebot gelobt.

Ähnlich erging es dem heutigem 82er Haus als Kulturzentrum, welches zu Beginn als Gablitzer Metropol bezeichnet wurde.
Heute werden dort ganzjährig Musicals, Theateraufführungen, Kabarett, Gesangsabende und vieles mehr von bekannten und
bedeutenden Künstlern ebenso wie von Amateuren mit großem Erfolg dargeboten.

Im Gefolge des Gablitzer Kulturkreises entstand auch eine breite Palette und Vielfalt künstlerischer Ausdrucksrichtungen in
der Bevölkerung wie etwa Malerei, Töpfern, Schmuckarbeiten, Keramik, Glaskunst, Kunstschmiedearbeiten,
Schauspielkunst, Holzschnitzen, Drechseln, und, und, und ….

Auch diese beiden Kunsteinrichtungen gingen auf die Tatkraft des Gablitzer Kulturkreises zurück. Alle ihre großartigen und
umfangreichen Leistungen zu nennen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Ein Beispiel dazu: Bis heute bringt die 1981 gegründete Theatergruppe von Peter Pilat ein bis zwei Produktionen jährlich
heraus. Pilat leitete zudem eine Malschule ebenso wie Hannes Schmatz mit mehreren Ausstellungen.

Oder man denke an die Gablitzer Singgemeinschaft unter der Leitung von Angelika Heissig mit rund vierzig großartigen
Sängerinnen und Sängern. ein stimmungsvolles Erlebnis ist alljährlich deren Adventsingen in der Gablitzer Festhalle.

Im November 1993 wird erstmals die Geschichte von Gablitz in Buchform von Franz Vormaurer und Berthold Weiss verfasst,
der Öffentlichkeit übergeben.

1994 gedenkt die Marktgemeinde Gablitz im Rahmen einer, das ganze Jahr andauernden Folge von
Jubiläumsveranstaltungen seiner vor 800 Jahren erfolgten erstmaligen urkundlichen Erwähnung.

Immer wieder erscheinen am Gablitzer Kulturhimmel neue und junge Talente. So auch schon vor Jahren die junge Caroline
Vasicek mit ihrem kometenhaften Aufstieg als österreichische und internationale Theater-, Musical-, Film und
TV-Darstellerin.

Eine weitere Besonderheit im Gablitzer Kulturjahr ist das seit 1990 jeweils am 5.Jänner stattfindende Neujahrskonzert des
Tonkünstlerorchesters NÖ in der Festhalle, das überwiegend ausverkauft ist.

Nahtlos schließt sich hier traditionell die Gablitzer Ballsaison an. Eröffnet werden die Bälle meist mit dem Einzug des
Jungherren- und Jungdamenkomitees mit Polonaise. Ausgewählte Musikkapellen und Orchester geleiten mit
unterschiedlichen Tänzen das Publikum durch die Ballnacht, gekrönt von künstlerischen Mitternachtsattraktionen und
anschließender Quizverlosung.

Wie reichlich das Gablitzer Kulturleben ist, ersieht man schon daraus, dass fast keine Woche vergeht in der nicht irgendeine
Veranstaltung angeboten wird. Sei es in der Glashalle mit Ausstellungen, Lesungen, Musikdarbietungen und Tanzkursen.
Auch das Pfarrheim weist das ganze Jahr hindurch ein reichhaltiges Kultur- und Religionsprogramm auf.

Erinnert sei an dieser Stelle an die eigentlichen Träger und Mitverantwortlichen unseres Kulturgeschehens, an unsere
langjährigen Kulturgemeinderäte und ihre of aufopferungsvolle Arbeit für Gablitz: Ernst Rest, Eva Schmatz und Otto Novacek.

Zum gegenwärtigen Übergang in die nächsten Jahre trägt eine Reihe von Gablitzer Kulturschaffenden wie Georg Ragyocy,
Horst Kaufmann und andere bei.

CDs erhältlich bei Herrn Franz Vormaurer: 02231 - 63174 oder am Gemeindeamt Gablitz: www.gablitz.at
I
I
Ehrung durch Bürgermeister
Ing. M. Cech für Angelika
Heissig und Georg
Ragyoczy mit Klick weiter