September 2009

Mitterauen
Von der Urwaldwildnis zu einem Wirtschaftsherz

Beim Bürgermeisterstammtisch war es, am Montag den 6. Juli,
draußen im Hotel in Mitterauen als im geselligen Gespräch
Leopold Czerni / Junior interessiert die Frage in den Raum stellte:
Woher wohl die Flurbezeichnung "Mitterauen" abzuleiten sei?
In der Tat eine offene Frage!

Gehen wir also in die Geschichte auch hier zurück: Das Gablitztal
war wie das ganze Zentraleuropa bis vor etwa 10´000 Jahren vom
arktischen Klima. Erst in diesem verbleibenden Zeitraum bildete
sich unser Wienerwald, welcher zur Zeit der Römer einen dichten
Urwald und fast wegelos, bildete. Dies von den Berghängen herunter,
und die Talsohle, eine finstere Aulandschaft mit zahlreichen Inseln,
durch welche sich die Bäche von den Berghängen drängte. Sümpfe,
modernde Baumriesen und reicher Wild-, und Fischreichtum unten
und Baumlianen von oben. Seit Urzeiten dürften sich Fußwege durch
das Gablitztal geschlängelt haben. Mit der Ankunft der Römer dürfte
einer dieser Wege von der Donau, den Legionslager Tulln / Comagenis,
durch unser Tal, dem Wiental bis nach dem Lager Vindobona eine erste
Fahrwegebedeutung erlangt haben.

Die dunklen Jahrhunderte nach den Römern zeigen für das westliche Gablitztal nur wenig Licht für unsere
Ortsgeschichte. Wir dürfen auch annehmen, dass sich auch durch das Gebiet von Mitterauen die
schwerfälligen Wagenzüge germanischer Bauernkrieger auf fortwährender Landsuche schoben. Abgelöst
von durchjagenden Asiatenhorden der Hunnen, Awaren und Magyoren.

Nach 1030 dürfen wir im Gebiet von Mitterauen / Allhang das Gehöft eines Freibauern annehmen, galt es
doch die mächtigen Holzpalisadenanlagen westlich und östlich des Taglesberges zu erhalten. Mitterauen
und Allhang dürften durch die Strassenabzweigung nach dem Mauerbachtal durch ihre Lage immer
verbunden gewesen sein.

Die baierischen Ritter und Lebensträger der Burg am Riederberg, zu der auch das Gablitz-, und
Mauerbachtal gehörte, begannen ab dem 11 Jahrhundert bei uns auch mit Waldrodungen um Flächen für
einen Bauernstand zu schaffen. 1411 kommt der Ort Gablitz in den Besitz der neuen Karthause in
Mauerbach und somit verstärkt sich die Straßenbenützung auch von dorther für Mitterauen. Überhaupt war
für das Gebiet von Mitterauen für diese Durchfahrtsverbindung das Wichtigste.

Dieser ursprüngliche Fahrweg führte immer entlang des Hauptbaches, wie aus alter Zeit viele Münzfunde
belegen. Hochwässer und Überschwemmungen zwangen die Grundherren zu Aufschüttungen und
Verbreiterungen um die Aulandschaft zurückzudrängen.

Ab 1439 gingen von Wien über Mitterauen erste Postillione nach Linz. Man brauchte in diesem
unwegsamen Augebieten auch eine Stelle zum Anhalten. Umladen, Füttern, Schutz vor dem Wetter,
Verköstigung, und Lagern. Es wurde zu einem Begriff diese, "Mitte in den Auen". Berthold Weiss vom
Heimatmuseum fand im Wr. Rathausarchiv den bisher ältesten Hinweis auf die Flurbezeichnung
"Mitterauen": 1819!
Erneute Bedeutung erhielt das Augebiet im Jahre 1522 durch den Bau der neuen "Reichs, - Post, - und
Commercialstrasse" von Wien nach Nürnberg. 1529 galoppierten auch durchs Augebiet von Mitterauen die
Türkenhorden, so wie 150 Jahre später nochmals. Durch das zunehmende Postkutschenwesen auf der
neuen Strasse, nahm auch die Häufigkeit der räuberischen Überfälle stark zu.

1805 und 1809 erlebten die Mitterauen den Durchmarsch der französischen Truppen Napoleons mit allen
ihren Schrecken.

1819: bisher erste urkundliche Erwähnung Mitterauens! Um diese Zeit bestand dort bereits eine
Ziegelbrennerei mit einigen Hütten. 1850 erfolgte der Bau einer Steinbrücke über den Gablitzbach hin zu
den Pöckelauen.

Um die Jahrhundertwende werden zwei Kleinziegeleien In Mitterauen erwähnt: Johann Glasauer und Maria
Pitzlinger. Mitterauen galt auch als bevorzugtes Lagergebiet der Zigeuner! Mit dem Datum 1913 fertigte der
damals bekannte Wiener Maler Josef Havliczek ein grosses Ölbild einer herbstlichen Bachlandschaft von
Mitterauen an.

Ein Eisteich wird in Mitterauen in den Erzählungen vom Tankstellenpächter Ernst Schmidt genannt. Genau
dort befindlich sollen die Gablitzer Wirte von dort her ihre Eislagerbestände geholt haben. Auch die
Vereinigten Wiener Eiswerke zählten hier zu den Abnehmern. Die Grossfamilien Kuntner und Glasauer
zählten auch in Mitterauen zu den großen Grundbesitzern. Ebenso wird eine Frau Dr. d´Aron als
Grundbesitzerin genannt, welche nach dem 2. Weltkrieg sowohl das Hotel erbauen ließ wie auch durch den
Zwangsverkauf an die Ö.R.O.P. der ersten Tankstelle verlustig ging. 1938 erlebte Mitterauen mit ersten
Häusern den Durchmarsch der Deutschen Militärverbände und ab 1945 den Durchzug russischen Militärs.

Noch vor Kriegsende traf die Bombe eines deutschen Fliegers genau auf den unter der Strasse führenden
Allhangbach einen russischen Panzer. Nach dem 2. Weltkrieg setzte spärlich die Siedlungstätigkeit ein. Im
Jahre 1976 errichtete die Firma "Austria A.G." die ersten Reihenhäuser und 1989 war es die Wohnbaufirma
"Alpenland", welche in Mitterauen Reihenhäuser baute.

Interessant ist zu bemerken: nur die rechte Straßenseite heißt Mitterauen, hingegen trägt die linke
Siedlungsseite die Flurbezeichnung Pöckelauen !

Die neuere Wirtschaftsentwicklung in Mitterauen wurde geprägt von Ernst Schmidt und seiner Tankstelle ab
1968, 1970 mit Taxiunternehmen und späterer Heizölzustellung. Einige Jahre vorher war es der Wiener
Transportunternehmer Kurt und Helga Czerni, die 1963 mit Gablitzer Firmenkonzession ihr Unternehmen
hier aufbauten. Gefolgt von Sohn Leopold mit Gattin Hermine und Sohn und Tochter Leopold (jun) und
Viktoria.

An Betrieben genannt werden auch der Schuherzeuger Burian, ein Blumengeschäft, ein Motorradgeschäft,
die Computerfirma Grossenberger und seit 1991 die Druckereifirma Pammer Druck.

Wie man sieht: auch eine kleine Siedlung verweist auf eine gewachsene Geschichte.
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