März 2009

Im Spiegel der Seele

Erinnerungen an den österreichischen Wiederentdecker der
"Augendiagnostik", dem Gablitzer Pfarrer Karl Baumhauer

Es ist schon etwas Merkwürdiges an der Gablitzer Dorfseele, dass sie
im Laufe der Zeiten immer wieder schöpferische Leute hierher zog, welche
erst hier so eigentlich zur gestaltenden Ausformung ihrer Geistes- und
Seelenaufgaben kamen. Reich ist hier das Gebiet, in denen diese
schöpferischen Taten erbracht wurden wie etwa der Philosophie, Kunst,
Kultur, Musik, Medizin, Schauspiel, Sport, Verkehr, Sicherheit,
Umweltschutz usw. Erst kürzlich wurde eine Gablitzerin Ministerin,
eine zweite Jugendweltmeisterin! Die Geistseele unseres Ortes ist
wahrhaft ein weites Feld…

Der Mann, von dem heute berichtet wird, ist Karl Baumhauer, erster Pfarrer,
nachdem unser Gablitz nach 600 Jahren Pfarrzugehörigkeit zu Purkersdorf, im Jahre 1937 eine eigenständige Pfarre
wurde. Pfarrer Baumhauer versah hier im Ort zur Zufriedenheit der Ortsgemeinschaft seine priesterlichen Aufgaben.

Was war es nun, was Pfarrer Karl Baumhauer in seinen Interessen so auszeichnete? Es war das kaum bekannte
medizinische Gebiet der Augen-, oder genauer "Iris-Diagnose". Im Vorwort einer seiner Schriften schreibt er selbst dazu:
Es ist eine altbekannte Tatsache, dass das Auge des Menschen Gefühlsregungen zum Ausdruck bringt. Die
Volksweisheit nennt daher auch das Auge den Spiegel der Seele. "In meinen Augen kannst du´s lesen", so singt der
Verliebte und zweifellos sind es auch keine leere Phrasen, wenn man von fröhlichen oder traurigen, von treuen oder
falschen, von sanften oder wilden Augen spricht.

Aber nicht nur seelische, sondern auch körperliche, besonders krankhafte Zustände kommen im Auge zum Ausdruck. So
ist bekannt, dass Fieber den Glanz des Auges verändert. Die Sprache der Augen existiert also, doch sie vermag dem
Kundigen noch viel mehr zu sagen, als man sich für gewöhnlich vorzustellen pflegt.

Pfarrer Baumhauer ergänzt dazu: "Die Tatsache, dass bei Erkrankungen eines Organs an einer bestimmten Stelle der Iris
ein Zeichen auftritt", benützt nun die Wissenschaft und folgt dem Grundsatz: "Wo Rauch ist muss auch ein Feuer sein"
und kommt zu dem Schluss: Wenn Erkrankungen eines Körperteils eine Veränderung in der Augenfarbe ergeben so muss
umgekehrt, wenn man eine Veränderung der Augenfarbe wahrnimmt, eine Erkrankung eines Körperteils vorliegen, welcher
der veränderten Stelle der Iris entspricht. Diese wissenschaftliche Nachprüfung ergab die Richtigkeit dieser
Schlussfolgerung auch in der Praxis. Somit war die Augendiagnose entdeckt! Man kann also aus bestimmten
Veränderungen der Iris auf die Erkrankung bestimmter Organe schließen. Soweit diese Grunderkenntnis.

Was wissen wir über den Lebenslauf von Karl Baumhauer? Er wurde am 15. April 1896 in Schwäbisch-Gmünd in
Würtenberg/Süddeutschland geboren, besuchte dort die Mittelschule und war von 1914-1918 als Infanterist in der
Deutschen Armee in Frankreich und Belgien. Nach Kriegsende war er kurz Stadtkommandant in Esslingen am Neckar. Im
Sommer 1919 kam er nach Mödling, um hier im Kloster "St.Gabriel" und der Wiener Universität Theologie und Philosophie
zu studieren. Vermutlich stieß er hier auf das kaum bekannte Gebiet der Irisforschung.
Offensichtlich zog diese ihn derart in ihren Bann, dass er bereits im Jahre 1927, zwei Jahre nach Abschluss seines
Studiums und der Priesterweihe, sein Hauptwerk "Die Augendiagnose" im Selbstverlag veröffentlichte. Weitere Schriften
folgten 1928, 1931, 1948 und 1949 seine Schriftenreihe "Die Iris". Die Jahre von 1925 bis 1937 verbrachte er als
Kooperator in Großenzersdorf, Hohenau und Großjedlersdorf. Als Provisor kam er nach Hochneukirchen in der Buckligen
Welt, wo er am 1. November 1933 zum Pfarrer geweiht wurde. Abermals versetzt, trat er am 1. April 1937 als erster
Pfarrer in der neugegründeten "Pfarre Gablitz" seinen Dienst an. Pfarrer Karl Baumhauer war jetzt wieder zurück in der
Nähe von Wien mit dem weltbekannten Ruf der "Wiener medizinischen Schule". Erhalten gebliebene Unterlagen zeigen,
dass er seine Studien-, und jetzt auch verstärkt seine Lehrtätigkeit weiterführte. Im 8. Wiener Gemeindebezirk, in der
Strozzigasse 41, dürfte er im Hause seiner bevorzugten Druckerei sein Wiener Studierzimmer gemietet haben, in
welchem er seine wissenschaftlichen Augenuntersuchungen durchführte.

Die Irisforschung ging ursprünglich vom Budapester Arzt Dr. Peczely um 1880 aus, obwohl bereits zweihundert Jahre
früher, ab 1695, deutsche Ärzte auf die Iris als Diagnosefeld hinwiesen. Von Ungarn breitete sich das Interesse an der
Augendiagnose schnell nach Deutschland, Frankreich, England und vor allem nach den USA aus. In Österreich fand sich
bis zu Pfarrer Baumhauer kein interessierter Mediziner. Unseres Pfarrers großer Verdienst ist es, die Irisdiagnose vor
allem überzeugend im Raume Österreich wiedererforscht und bekannt gemacht zu haben.

In all den Jahren seit seinem Studium nahm er am medizinischen Forschungsleben im In- und Ausland regen Anteil. Er
selbst hielt zahlreiche Vorträge, verfasste für in- und ausländische Zeitschriften und Zeitungen Artikel, um vor allem in
Österreich die Irisdiagnose bei Ärzten und im Volk bekannt zu machen. Im "Naturheilverein" in Wien 6., hielt Baumhauer
Einführungskurse. Das steigende Interesse bei Ärzten, Heilpraktiker, diplomierten Krankenpflegern und Laien nahm
überdurchschnittlich rasch zu, wie aus einer erhalten gebliebenen Schrift nachzulesen ist.

Doch, wo viel Licht ist, fehlt auch der Schatten nicht. Jeder Pionier weiß davon ein Lied zu singen! Die Wiener
Ärztekammer drohte Pfarrer Baumhauer im Februar 1948 mit einer gerichtlichen Verfolgung als "Kurpfuscher" und die
Erzdiözese lies es mit einem deutlichen Verweis nicht fehlen, sollte Baumhauer sein öffentliches Wirken nicht einstellen.
Die in Österreich bekannte Zeitschrift "Die Furche" vom 10. Juli 1948 verglich ihn mit einem zentralafrikanischen
Medizinmann…

Neben seinen Vorträgen auf Ärztekongressen im In- und Ausland pflegte Pfarrer Karl Baumhauer einen weltweiten
Briefverkehr. Auch die wenigen aus seinem Nachlass noch erhaltenen Bücher zeigen, dass seine Heilkundeinteressen
weit über sein Zentralgebiet hinausgingen. In Wien gründete er die "Österreichische Studiengesellschaft für
Augendiagnostik" deren 1. Präsident er war. In Berlin war er Vorstandsmitglied der "Internationalen Studiengesellschaft für
Augendiagnostik". Letztlich wurde ihm doch von der Erzdiözese der anerkennende Titel "Geistlicher Rat" verliehen. In den
Jahrzenten seit dem 2. Weltkrieg hat sich das Interesse an der inzwischen bewiesenen Richtigkeit der
Diagnosemöglichkeit weltweit ausgedehnt. Wien selbst wurde durch Pfarrer Baumhauer aus Gablitz naturgemäß der
Schwerpunktort in der österreichischen Irisforschung. Ärzte übernahmen hier sein Wissen und lehrten es ihrerseits den in-
und ausländischen Interessenten. Ei in Ostbayern sehr bekannter Heilpraktiker bestätigte mir, dass er die Irisdiagnose in
Wien bei einem später sehr bekannt gewordenen Arzt erlernt habe. Nicht vergessen soll hier Frau Steffi Prewein werden,
welche als Wirtschaftlerin Pfarrer Karl Baumhauer durch viele Jahre hindurch hilfreich zur Seite stand.

Pfarrer Karl Baumhauer wurde nach 31 Dienstjahren in Gablitz am 31. August 1968 in den Ruhestand versetzt. Er
übersiedelte nach Großjedlersdorf, wo er am 13. August 1977 starb und auch hier beigesetzt wurde.

Seine Fähigkeit, das Wirken der Seele im Körper zu sehen, weist darauf hin, dass unser Pfarrer seiner Zeit voraus war.
Immer deutlicher beginnt die Seelenheilkunde an die Tore der Schulmedizin zu klopfen: beide haben den Menschen zu
dienen; denn schon in den alten Großkulturen hatte Heilkunde immer mit Religion, Spiritualität und Philosophie tu tun. Es
heißt: was im Bewusstsein falsch läuft, zeigt sich im Körper und im Schicksal.





Zu seinen Werken:
Die Augendiagnose - 1927
Was ist Augendiagnose - 1931
Die Iriskopie - 1947

Pfarrer Baumhauer im Hof der
Pfarre Gablitz

Der liebenswürdigen Recherchearbeit von Herrn Walter Kubat aus Stuttgart verdanken wir auch die Informationen
über die Grabstelle unseres Pfarrers sowie seiner Hauswirtschafterin:

Herr Kubat schreibt dazu:
Hierbei handelt es sich um die GRABSTÄTTE von Herrn Pfarrer KARL BAUMHAUER,
welche sich auf dem "Jedlersdorfer-Friedhof" befindet!
Das Grab wurde wieder "neu belegt", besteht jedoch bis zum Jahr 2016 - laut Mitteilung
der dortigen "Friedhof-Verwaltung"!
Ob der hier "neu hinzugelegte Herr Seyerl" der Sohn von Frau PREWEIN, welche die
HAUSHÄLTERIN von PFARRER BAUMHAUER war, ist mir nicht bekannt!

Und zu Bild 2: Diesesmal handelt es sich um die GRABSTÄTTE von FRAU STEFANIE PREWEIN
geb. am 28.12.1909 und verstorben am 16.11.1990.

Bei den beiden Sterbedaten (Baumhauer und Prewein) handelt es sich um das
tatsächliche Sterbedatum! Diese Info habe ich von der "Wiener-Bestattung GmbH",
wie die "größte Bestattungsfirma ÖSTERREICHS" jetzt heißt, erfahren!

Hier ist KEIN GRABSTEIN mehr vorhanden, da das GRAB am 31.12.2010 AUFGELÖST
wird! Daher habe ich mich diesbezüglich nach den Daten erkundigt und eine
"provisorische Namenstafel mit den Daten" hergestellt!

In dieser Grabstätte von Frau PREWEIN sind weitere "Prewein-'Angehörige" beigesetzt
worden, die letzte war offensichtlich "Frau Prewein" selbst!

Diese Informationen bezüglich der "Lage des Grabes und den dort jeweils weiter Bestatteten
Verstorbenen habe ich alles per INTERNET von Stuttgart aus in Erfahrung bringen können!

In solchen Dingen ist halt "WIEN" beispielhaft!

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I
Mit herzlichstem Dank
an Herrn Walter Kubat
aus Stuttgart -
alle diese Bilder wurden
von ihm zur Verfügung
gestellt !