Brauhaus 1935
Dezember 2008

"HOPFEN UND MALZ - GOTT ERHALTS!"

Ein Blick auf die Geschichte unseres alten "Gablitzer Brauhauses"
"Prost, meine Herrn Mönche, Mitbrüder und Volk von Gablitz, -
Wohl bekomm´s ..!"
Dies dürften die Worte des Prior Johann WERNER, Abt der Kartause
in Mauerbach gewesen sein, als zum ersten Male schäumendes Bier
aus einem Fass in bereitgestellte Tonkrüge floss und vom Braumeister
an die Umstehenden kostenlos verteilt wurde.

Die Mauerbacher Kartäuser, die seit 1411 das kleine Dorf Gablitz als
Landesfürstliches Lehen in ihrem Besitz hatten, wurden um diese Zeit
von 1655 vom tüchtigen Prälat Werner in einen neuen wirtschaftlichen
Aufschwung geführt. Nach dem Wiederaufbau unserer Kirche, der
Rosenkranzkapelle am Kirchenberg 1642, nach der vorangegangenen
Zerstörung durch die Türken, war es nun die Gründung und der Bau einer
eigenen Klosterbrauerei, vorerst zur Deckung des eigenen Bedarfs, um
später auch das durstige Umland damit zu beliefern.

Es geschah dies im später so benannten "Unteren Wirtshaus", an welches heute noch die "Brauhausgasse" erinnert. Es war
dies eine Hofstätte (Bauernhaus) mit einer Mühle, die später mit drei Eis-Teichen ergänzt wurde. Die Errichtung dieser
Klosterbrauerei war ein Meilenstein in der Gablitzer Wirtschaftsgeschichte. Ein weiterer sollte bald folgen: die
Mastochsenzucht !

Von dieser wurde behauptet, die größten Mastochsen gäbe es nur in Gablitz. Hier wurden die Braurückstände, die "Meische"
nicht eingeackert, sondern verfüttert. Diese anerkennende Zuchtbewertung für das Gablitzer Rindvieh hatte auch eine humorvoll
- unangenehme Seite bekommen: so wurde "Gablitzer Ochs" in der Folge zu einem Schimpfwort und noch bis ins 20.
Jahrhundert herein, so findet man es in den Dialektwörterbüchern, bezeichnete man einen als dumm bezeichneten Menschen
als "Gablitzer"! Doch zum Glück wurde es im Volk schon längst wieder vergessen.

Seit 1675 scheint das Brauhaus Gablitz im Verzeichnis jener Braustätten erstmals auf, die Weizen verbraut hatten.

Für das Jahr 1702 nennt die Purkersdorfer Post-Chronik den Hans Christoph Zäch, Braumeister in Gablitz, welcher 20 Jahre
später 1722 jene Nepomuk-Statue schaffen und aufstellen lässt, die jetzt an der Stiege neben dem "Eigner Haus" steht. Ab
1708 scheint erstmal ein Gablitzer "Bierversilberer" (Brauhausvertreter) auf namens Paul Eder, dies im sogenannten
"Bruderschaftsbuch". 1714 erlangt die Braustätte Gablitz die Bewilligung, Bier nach Wien einzuführen.

1751 werden im Dorf Gablitz 26 Häuser, darunter ein Brauhaus, zwei Wirtshäuser, ein Fleischer und ein Bäcker genannt. Im
selben Jahr 1751 dürfte im Brauhaus, genannt "die "untere Mühl" eine "Stifts-Taverne" eingerichtet worden sein, also das
Gründungsjahr des späteren Brauhausrestaurant. Dann, 1782 am 31. Jänner wurde das Mönchskloster in Mauerbach aufgelöst
und seine im Lehensdorf Gablitz befindlichen Besitztümer zum Verkauf angeboten: 2 Wirtshäuser, 1 Brauhaus, und die
Kapelle. Das Brauhaus selbst wurde vom Gablitzer Braumeister Leopold Fischer um 1000 Gulden in Schuldscheinen gekauft.
Fünf Jahre später, im Jahre 1787 scheinen Jakob Ruess und Philippe Schweiger als neue Besitzer auf. 1810 ist ein
Braumeister Johann Schuster von der Brauerei Gablitz auf einer Urkunde als Zeuge unterzeichnet. Ab 1820 ist Philippe
Schweiger alleiniger Brauhausbesitzer.

1831 erwähnt der bekannte Kartograph Schweickhardt von Sickingen, während seiner Arbeit über unseren Teil des
Wienerwaldes: "das sehr bedeutende Brauhaus in Gablitz".

Folgende Besitzer des Brauhauses seien hier angeführt bis zu dessen Ende: Georg Meichl (1830-1834), 1834 - 1846
(unbekannt), Karl Schönwiese (1846 - 1858), Anton Schönwiese, auch Bürgermeister von Gablitz (1858 - 18?), Leopold
Wilheim und Söhne (? - 1895), Ernst und Robert Herzfelder (1895 - 1938), Johann Bauer (1938 - 1951), Familie Herzfelder
((1951 - 1958?).

In den amtlichen Tabellen der Brauereien aus den Jahren 1845 - 1893 wird die in Gablitz erzeugte Biermenge im Durchschnitt
mit 5000 Hektoliter angegeben. 1872 sogar mit 8800 Hektoliter.

Im Jahre 1895 vernichtet ein Großbrand beträchtliche Teile des Brauhaus, worauf die Bierbrauerei eingestellt wird. Von jetzt an
liefern die Brauereien von Ottakring, Hütteldorf, Schwechat und Wiener Neudorf ihr Bier nach Gablitz. Was blieb, war nur noch
das Restaurant im Brauhaus. Dieses aber vermochte es, den alten sehr bedeutenden Ruf des Hauses durch seine beiden
nachfolgenden Pächter Franz Lechner und Heinrich Gattermayer vollständig wieder herstellen. Das "alte Brauhaus" wurde
erneut zum wohlklingen Begriff für das wanderlustige "Wienerherz", für das Wiener Bürgertum und für die zahlreichen
Forstadjunkten aus Maria Brunn. Es wurde berichtet, dass ein Protokoll aufgelegen sei, worin sich viele Gäste zum Scherze
eintrugen: "er habe hier als Student auf der "Hohen Schule" zu Gablitz studiert.

Trotz dieser "Hochverehrung" der Gäste von Außen wurde das Brauhaus bevorzugt aufgesucht von den ärmeren Schichten aus
Gablitz. So gründeten Arbeiter, Arbeitslose und Steinbrucharbeiter im April 1898 hier die Ortsfraktion der
"Sozialdemokratischen Partei Österreichs".

1920 gründeten 22 Musiker aus dem Ort "beim Gattermayer" den "1. Gablitzer Musikverein". 1934 kam es beim Brauhaus zu
politischen Tumulten, als dort die christlich-soziale "Heimwehr" des Ortes, gegen die sozialdemokratischen "Schutzbündler"
radikal vorgingen. Es sei auch erinnert, das Heinrich und Karoline Gattermayer einen eigenen Stellwagenverkehr nach
Purkersdorf unterhielten und 1922 - 1926 einen Busverkehr nach Wien.

1938 kam es zu einem Besitzwechsel an den Bauern und Fuhrwerksunternehmer Johann Bauer aus Gablitz. Dieser Besitz
wurde nach dem 2. Weltkrieg angefochten, dem ein sechsjähriger Gerichtsprozess folgte, welcher von Johann Bauer verloren
wurde. Der nunmehrige Verwalter der Familie Herzfelder, Hans Hellepast, betrieb nun die Demolierung des Großteils der
Brauhausgebäude, und der gesamte Grundbesitz wurde parzelliert und verkauft. Heinrich Gattermayer gab altersbedingt 1948
den Schankbetrieb auf, da seine Ehefrau bereits 1943 gestorben war. Gänzlich verarmt starb er am 4. Juli 1952 und wurde am
Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Mit ihm ging die 300-jährige Geschichte des Gablitzer Brauhauses zu Ende.

"Der hat auf der hohen Schule zu Gabiitz studiert."
http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/niederoesterreich/wienerwald/gablitz.html
Datenbank zur Europäischen Ethnologie / Volkskunde

Artikel Wiener Zeitung Jänner 1844: www.gablitz.info/Geschichte/WienerZeitung1844HoheSchulezuGablitz.pdf

Gablitz, Brauhaus um 1932 aus der Sammlung Franz Vormaurer
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