29 - März 2006

Zur Entstehungsfrage unseres Ortes - gab es ein
Ur-Gablitz?

Fürs Erste scheint diese Frage unnötig, denn wo sonst soll unser Ort denn gelegen sein, als dort, wo er sich heute
befindet!?

Dennoch deuten wenige, aber eindrucksvolle archäologische Funde darauf hin, dass das Dorf Gablitz als
UR-Siedlung, doch einst anderswo zu suchen ist. Die Spuren deuten auf das Gebiet des Troppberg-Kammes und
im Folgenden möchte ich darlegen, welche Hinweise dafür sprechen.

In der Zeit ab 400 vor unserer Zeitrechnung wanderten, vom Westen kommend, die Volksstämme der Kelten in den
österreichischen Raum ein und gründeten hier das Königreich Noricum. Im Raume des heutigen Niederösterreichs
war es der keltische Großstamm der Boier (der Name der Boier lässt sich vermutlich auf eine Bezeichnung für
"Krieger" zurückführen), der die riesigen Waldgebiete besiedelte. Siedlungsplätze wurden, wenn vorhanden,
sicherheitshalber auf Bergen oder auf Höhenkämmen errichtet. Im österreichischem Raum stießen die Kelten auf
das indogermanische Volk der Illyrer, welche seit 800 v.d.Zr. eingewandert war und zu den Trägern der so
genannten "Hallstattkultur" wurden. Naturgemäß kam es zu einer Völkervermischung und genau hier haben wir den
ersten Hinweis:

Südlich des Troppberges findet sich, zwar dicht verwachsen aber deutlich zu sehen, der Rest eines eisenzeitlichen
Hügelgräberfriedhofes (Tumuli). Archäologische Grabungen in den 30er Jahren bekundeten durch die Funde eine
einst hier siedelnde keltisch-illyrische Mischbevölkerung. Eine Siedlung davon müsste kammaufwärts gewesen
sein.

Zusätzlich erzählten alte Gablitzer noch in den 70er Jahren davon, dass von alters her im Troppberggebiet immer
wieder Funde gemacht wurden, die auf Kelten und eine stärkere Ansiedlung dort hinwiesen.

Weiters wurde im Bereich des unteren Pallerstein-Steinbruches eine einstmals groß angelegte Kultstätte mit einem
"Menhir" (aus den Begriffen men=Stein und hier=lang. Sie umfasst alle aufgerichteten Steine. Menhire können
sowohl einzeln stehen oder auch in Reihen und Kreisen angeordnet sein.) festgestellt.

Mit Sicherheit darf auch angenommen werden, dass es eine zentral befestigte Höhensiedlung von
überdurchschnittlicher Bedeutung war und Verbindungswege in alle Richtungen besaß.

Dann, im Jahre 15 v.d.Zr. die Katastrophe: Roms Militärmacht marschierte mit zahlreichen Legionen in den
Donauraum ein. Die Donau sollte als Verteidigungslinie gegen die immer stärker andrängenden Germanenstämme
ausgebaut werden. Legionärseinheiten marschierten aus dem Wiener Raum auch durch das dichtbewaldete und
fast urwaldähnliche Gablitztal. Bis zur Ankunft der Römer war der Wienerwald ein geschlossenes Waldgebiet.
Gegen die Zivilbevölkerung wurde hier, so wie überall, eine militärisch bewährte Maßnahme eingesetzt: die
Zwangsräumung von Wohnsiedlungen auf Bergeshöhen und die Zerstörung der Palisadenzäune. Dazu die
Absiedelung der Bewohner durch die römische Besatzungsmacht in das Tal.

Für unsere keltischen Ur-Gablitzer muss es ein zutiefst bewegendes Ereignis gewesen sein, ihre vertraute
Bergheimat zu verlieren. Das gleiche Schicksal traf damals die große bekannte Keltensiedlung am Leopoldsberg.

Die Neuansiedlung der Menschen erfolgte etwa an unserer heutigen Dorfmitte, wo der Gablitzbach den alten
Karrenweg durch das Tal begleitete und der Weg vom Troppberg ins Mauerbachtal weiterführte.

Hier, im dauernden Kontrollbereich der durchziehenden Römer, verschwand allmählich der beabsichtigte Gegensatz
zu den römischen Besatzern. Im dauernden Verkehr mit den Soldaten, Beamten und Händlern dürfte so mancher
(nunmehrige) Neu-Gablitzer zum Hufschmied, Wagner, Sattler oder Schenkenwirt geworden sein. Ein größerer
Tauschhandel und Gelderwerb setzte ein: ein Dorf im Tal war entstanden.

Genau hier dürfte möglicherweise der Ursprung unseres Ortsnamens zu suchen sein: das Ereignis der
Zwangsabsiedelung in das Tal dürfte als wesentliches Merkmal für die Bewohner unseres Tales, bei den Dörflern
der umliegenden Orte, als Herkunftsbezeichnung erhalten geblieben sein: bei einer wissenschaftlichen Tagung
wurde GABLITZ als Ortsname mit "Leute im Tal" erklärt und übersetzt: "Gab" = Einschnitt, Vertiefung, Tal, "litz" =
lit, lüt, leute - dies aus den Dialekten des Alt- und Mittelhochdeutschen. Um 1194 schien diese Ortsbezeichnung
erstmals in den österreichischen Urkunden auf. Doch zurück zum Neubeginn unseres Ortes: So mancher junge,
römische Bürger dürfte hier in der neuen Provinz Oberpannonien an einer jungen, feschen Gablitzer Keltin Gefallen
gefunden haben, aus denen ein Paar wurde. Man höre und staune: das Bild eines dieser Paare ist in Gablitz
erhalten geblieben! Am fast 2000 Jahre alten "Römergrabstein" bei der Raiffeisenbank, der 1975 von Leopold Rainer
am Rabenstein gefunden wurde: Sie, eine Keltin namens Litussa, er ein Römer, der Sohn des Avitus. Zwei
Ur-Gablitzer blicken uns hier an.

Nach den angeführten Hinweisen ist es nicht abwegig anzunehmen, dass die Gründung unseres Ortes Gablitz 1200
Jahre weiter zurück liegt als bisher angenommen wurde - und die 2000 Jahrfeier haben wir vor etwa 20 Jahren leider
verpasst…

(siehe 2. Römerfunde in Gablitz: Der Römerstein vom Rabenstein)

Weiterführende Informationen unter: http://www.diekelten.at/diekelten.htm
Keltenwelt in Rosegg/Kärnten: www.keltenwelt.at
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