28 - Dezember 2005

Spuren zu den Burgen in unserer Nähe

Beim Lesen dieser Überschrift wird man zuerst erstaunt die Frage stellen: Burgen in unserer Umgebung, noch nie
davon gehört, wo sollte denn da etwas zu finden sein?

Mit Recht darf diese Frage gestellt werden, denn es gehört schon sehr viel Aufmerksamkeit und Spürsinn dazu, die
Spuren zu diesen Burgen zu finden.

Sicherlich wäre es eine romantische Besonderheit, hätten wir, so wie auch andere Gemeinden, eine alte Burg oder
wenigstens mächtige Ruinenreste als Wanderziel oder Veranstaltungsort.

Romantisch sind meist auch unsere Vorstellungen von den Burgen des Mittelalters mit ihren Burgfräuleins, Ritter bei
Turnieren, Minnesänger, höfische Trachten, Gelage, Sitten und Dichtungen. Zwei dieser Burgen, nur wenige Kilometer
entfernt, Greiffenstein und Neulengbach, vermitteln uns noch den äußeren Eindruck. Die Besitzer der Burg
Greiffenstein waren das Wiener Rittergeschlecht der Greiffen, die auch 1311-1337 den Ort Gablitz besaßen. Doch
jetzt der Reihe nach:

1. Am Georgenberg bei Purkersdorf befand sich laut alten Angaben eine stattliche Burganlage, die den Rittern des
Templerorden zugeschrieben wird. Ihre Besitzungen reichten offensichtlich auch in das Gablitztal herein.

2. Die mächtige und noch fast vollständig erhaltene Wasserburg ist in Purkersdorf jenes große Gebäude hinter der
Kirche, in dem das Bezirksgericht, Grundbuch und Stadtmuseum untergebracht sind. Diese Burg wurde um 1050
gebaut und sollte durchbrechenden Magyarenhorden den Weg versperren.

3. Noch auf einer alten Landkarte des Wienerwaldes von 1834 findet sich die Flurbezeichnung: "Hohe Burg im
Burggraben". Heute sprechen wir von Hochbuch und Buchgraben. Nach dem 2. Weltkrieg stieß man im Buchgraben
bei Erdaushubarbeiten in einer Tiefe von 3 Metern auf die Überreste einer mächtigen Mauer!

4. Am Troppberg muss sich bis Anfang der Römerherrschaft bei uns eine palisadenbewährte Fluchtburg befunden
haben. Frühe Funde und ein Hügelgräberfriedhof machen es deutlich.

5. Am Kirchenberg, genau wo heute die Kirche steht, muss sich eine Ministerialenburg*) befunden haben. Vermutlich
jene unseres Ritters Heinrich von Gablitz (um 1194), durch den unser Ort erstmals in den Staatsurkunden aufscheint.
Der letzte Rest dieser Burganlage ist der rechte Gebäudeteil des "Eigner-Hauses", als einstiger Wehrturm in der
äußeren Burgmauer am Gablitzbach. Das Haus "zum schwarzen Adler" (jetzt Schlecker) dürfte der dazugehörige
Guts- und Wirtschaftshof gewesen sein.

6. Am Taglesberg in Allhang, zwischen B1 und Mauerbachstrasse, befanden sich noch bis in die Mitte der 30er Jahre
die mächtigen Überreste einer bayrischen Fluchtburg aus dem 7. Jahrhundert, einer Palisadenburg.

7. Den Abschluss der bisher festgestellten Burganlagen macht die "Rieder- oder Wallburg" am Hausberg in Ried.
Gebaut im 12 Jhdt. von den Grafen von Ebersberg. Diese waren Lehensritter des bayrischen Stiftes Freising, dessen
Besitz das Gablitz- und Mauerbachtal bis zum Wienfluss umfasste.

Wanderungen laden jetzt ein, diese angeführten Plätze zu besuchen, um so mit unserer Geschichte in Verbindung zu
kommen.

*) Ministerialen im Hochmittelalter
Seit dem 11. Jahrhundert verstand man unter dem Begriff Ministerialen ritterlich lebende Dienstleute mit eigener oder delegierter Herrschaft
sowie politischem Einfluss. Diesen erlangten sie unter anderem durch die Ausübung der Hofämter (Mundschenk, Truchsess, Kämmerer
etc.). Seit dieser Zeit bauten Ministerialen auch ihre eigenen Burgen (Ministerialenburg). Diese zeichneten sich meist durch die Nähe von
bäuerlichen Siedlungen und Dörfern aus. Ihre Lage war dabei in erster Linie von der jeweiligen topographischen Situation abhängig. Jedoch
gab es bis in das 12. Jahrhundert offenbar auch Dienstleute einzelner Grundherren, die auf Hofstellen (curtes) amteten, die nicht
zwangsläufig befestigt waren.

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