24 - März 2004

Mit Prozessionsfahne und Pilgerstab durch Gablitz

Wer sich auch mit der europäischen Religionsgeschichte befasst weiß, dass die Christenheit hier drei große
und weltbekannte Pilgerwege kennt.

Diese sind: der Pilgerweg nach Jerusalem, der zweite nach Rom und der dritte und wohl am stärksten
begangene führt nach Nordwestspanien, nach Santiago de Compostella. Was viele Menschen heute nicht
mehr wissen ist, dass dieser alte Pilgerweg nach Spanien durch das Gablitztal führt. Ebenso wenig bekannt
ist, dass Gablitz selbst seit gut 400 Jahren drei eigene Prozessionswege aufweist! Der erste führte vom
Kirchenberg zum "Gablitzer- oder Fieberkreuz" bei der Bushaltestelle gegenüber der Berggasse. Bereits nach
1600 zogen die Gläubigen aus den beiden Orten Purkersdorf und Gablitz hierher, um bei Seuchen um deren
Nachlassen zu beten.

Der zweite Prozessionsweg führte die Gablitzer Gläubigen jährlich von unserer Kirche entlang der alten Linzer
Reichsstrasse zum "Gnadenbild in der Kirche Maria Purkersdorf". Mit dem Datum 20. August 1865 - Gablitz
hatte damals ca. 750 Einwohner - hat der Maler E. Hütter die Gablitzer bei ihrer Ankunft in Purkersdorf in
einem Aquarell festgehalten.

In Jahren anhaltender Dürre, bei der bereits die Ernte in Gefahr war, versammelten sich die Gläubigen der
umliegenden Dörfer bei der Kirche in Ried. Betend waren sie in Prozessionen aus ihren Ortschaften
gekommen, um jetzt hinauf zu ziehen zum "Bründl bei der Klosterruine". Nach einem uralten Ritual wurde
dort der "Quellen Geist" beschworen, um Regen für das trockene Land zu bekommen. Für die damaligen
Gablitzer ein weiter und beschwerlicher Weg!

Der Jakobsweg
Seit vielen Hundert Jahren führt für die Gläubigen der Jakobsweg oder Jakobusweg durch das Gablitzer
Gemeindegebiet zu dem weltbekannten "Pilgerweg nach Santiago de Compostella" in Nordwestspanien - hier
wurde im Jahre 818 nach der Vision eines Hirten das angebliche Grab von Jakobus dem Älteren, einem der
12 Jünger Jesu, entdeckt. Dieser Pilgerweg geht vom ungarischen Estergom (Marienheiligtum) über
Wolfsthal, Hainburg über Wien und Purkersdorf, vorbei an der dortigen Jakobskirche (daher auch der
Purkersdorfer "Jakobimarkt") durch Gablitz bzw. dem Troppberg Kammweg, über den Riederberg,
Herzogenburg usw., über die Schweiz und Frankreich nach Spanien. Als letztes sei daran erinnert, dass es
auch für die damaligen Gablitzer geziemend war, wenigstens einmal im Leben an einer Wallfahrt nach Maria
Zell teilzunehmen…

Mit dieser Aufstellung wird Vergessenes aus den vergangenen Jahrhunderten wieder zurück in die Erinnerung
geholt.



Eine Prozession von Gablitzer Gläubigen auf dem Weg zur Purkersdorfer Jakobskirche - festgehalten mit
Datum 20. August 1865 von dem Maler Emil Hütter, der durch detailgetreue topogrraphische Ansichten
von Wien und niederösterreichischen Orten bekannt wurde.
I
I