THOR
TYR
I
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21 - März 1998

Tür und Tor

Zur Urbedeutung dieser beiden Worte

Angeregt durch die Bilderserie "Holztore in N.Ö.",
in einer Dorferneuerungszeitschrift, ist es wert zu fragen,
warum für einen kleinen Eingang das Wort T ü r e und
warum für einen großen Eingang das Wort T o r verwendet wird?

Gerne sagt man zu einem jungen Menschen: "….Dir steht ja noch Tür und Tor offen" und meint damit die vielen
Möglichkeiten, die dieser durch die vielen Lebensjahren noch vor sich hat.

Tatsächlich waren hier ursprünglich nicht Maueröffnungen unterschiedlicher Größe gemeint, sondern unsere
beiden germanischen Götter T y r und T h o r (Donar). Vorweg sollte man wissen, dass Sprache in früheren
Zeiten nicht die Aufgabe der Mitteilung hatte, sondern auf zwei verschiedenen Ebenen verstanden wurden:

1. Die Bildsprache des einfachen Volkes.
2. Die verschlüsselte Mysteriensprache der wahrhaft Wissenden. Hier wurde Sprache nach Bedarf auch als
Magie verstanden und angewendet.

T y r - wurde dargestellt als einarmiger Schwertgott, der die Macht der Geistesdunkelheit zurückdrängt und
damit die Weltordnung aufrechterhält. Für seinen Mut bezahlte er mit dem Verlust den rechtes Armes.

T h o r (Donar) - wurde schon in den Götterliedern unserer EDDA, als der stärkste aller Götter bezeichnet,
denn er galt als: Blitzeschleuderer, Riesentöter, Hammer-, und Sturmgott. Seine Waffe war der Hammer, der
nach jedem gewaltigen Wurf in seine Hand zurückkehrte.

In seinem Gefährt gezogen von zwei Böcken, brauste er über das Himmelsgewölbe und tötete überall die
Frost-, Eis-, Sturm-, und Bergriesen, die als Sinnbilder der Lebensversteinerung galten. So trug auch er dazu
bei, die Erstarrung des Lebens aus der Ordnung der Götter und im Leben der Menschen fernzuhalten.

T y r und T h o r wurden verstanden als Läuterungsstufen des Menschen auf ihren suchenden Weg zur
Erfahrung des Göttlichen im eigenen Inneren. Die heutige Esoterik würde sie nennen: "die Hüter der Schwelle".

Der alte Volksglaube rät uns, beim Durchschreiten des eigenen Tores ins eigene oder fremde Anwesen und
beim Überschreiten der erhöht angebrachten Türschwelle ins Haus, sollte nicht auf diese getreten werden.
Dies, in dem Bewusstsein, dass hier herinnen die Heiligkeit einer anderen Ordnung ihre Recht hat. Die
Dunkelheit und die Härten der Welt haben draußen zu bleiben.

Haus und Hof galten als Ort der Geborgenheit und des unantastbaren Freiraumes.

Diese alten Überlieferungen fanden auch ihren sichtbaren Ausdruck in den "gekreuzten Pferdeköpfen" an den
Giebeln alter Bauernhäusern. Bekannt heute auch als Firmenzeichen der Raiffeisenbank. Auch in diesem
Sinnbild ist T y r und T h o r dargestellt.
Zu finden ist diese alte Weisheit auch im Bilde der "gekreuzter Schlüsseln" im Wappen des Papstes: ein
silberner und ein goldener Schlüssel: die Einweihungsbedingungen zu den kleinen und zu den großen
Mysterien. Auch in diesen Darstellungen ist T y r und T h o r gemeint.

T y r - (kleiner Durchgang) versinnbildlicht die erste Läuterungsstufe des Bewusstseins = das Erwachen zu
sich selbst.

T h o r - (großer Durchgang) versinnbildlicht die erfolgreiche Kraft, die Verlockungen und die Irrtümer der Welt
überwinden zu können. Das heißt und meint den im Geistigen und in der Welt freigewordenen Menschen.

Die oftmals festzustellenden Sonnenmotive auf Türen und öfters noch auf Toren, machen dieses Urwissen
deutlich: angedeutet wird hier ein Restbezug zur einstigen Sonnenreligion, aber noch viel mehr dass
"Durchgang" immer ein Weg zum Licht sein sollte, zum erwachenden und sich ausweitenden Erkennen.

Wer diese beiden Grundgesetze des Menschsein: "Erwachen und Überwindung" anschaulich erleben möchte,
möge am Fuße des Treppenaufganges vor der Karlskirche in Wien die beiden Kolossalengeln betrachtend auf
sich einwirken lassen.

In Stein gehauen stehen sie vor uns: T y r und T h o r, und fordern den Betrachter auf, ihre und unser eigenes
Daseinsrätsel zu lösen.

Die germanischen Götter:
http://www.berel-am-ries.de/seiten/Chronik/Forschungen-bis-808-nChr/Germanische_Goetter.htm

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Nordische_Mythologie